Musikfest Schloß Wonfurt 2010
 

Unter der Schirmherrschaft von Dr. Josef Schuster – Vizepräsident des Zentralrates der Juden Deutschlands, Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg

Zum Grußwort

GRUSSWORT zum 7. Kammermusik- und Kulturfest des Bismarck´schen Salons

Die Musik ist für mich die Kunstform, die unsere Seele unmittelbar erreicht und berührt. Sie zu hören und in sich aufzunehmen bedarf keiner Vorbildung, keines Wissens. Doch manchmal, wenn man erfährt, woher diese Musik stammt, unter welchen kulturellen Bedingungen sie entstand, erweitert es den Genuss des Hörens. Das gilt für die Kammermusik, mehr noch aber für die Musik, die unmittelbar aus dem Leben der Menschen entstanden ist. Die beiden großen jüdischen Kulturkreise des Mittelalters sind die der Sfaradim und der Aschkenasim. Sfarad, das heißt Spanien und dort entstand die Musik der Juden im Mittelalter in Andalusien, in "Al Andaluz", dem Land des Lichts. Diese Zeit ist die der Blüte des jüdischen und islamischen Zusammenlebens, aus der einer unserer großen Lehrer und Philosophen stammt: Rabbi Mosche Ben Maimon, bekannt als Maimonides. Sie endete, als die "Katholischen Majestäten" Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon, die Mauren um 1492 besiegten und vertrieben und die Juden blutig verfolgten. Diejenigen, die fliehen konnten vor Tod oder Zwangstaufe, nahmen ihre Lieder mit. So breitete sich die Musik, in Ladino gesungen, in die Länder Nordafrikas, nach Griechenland und in die Türkei aus. Ladino war die Sprache der spanischen Juden, ein mittelalterliches Spanisch versetzt mit hebräischen Begriffen und später mit Worten aus den Sprachen der Länder, in denen die Juden Zuflucht gefunden haben. Das Jiddisch, das die aus Deutschland stammenden Juden sprachen und sangen, ist ebenfalls ein mittelalterlich geprägtes Deutsch mit hebräischen Begriffen. Vor den Kreuzzügen des Mittelalters, die ganze Gemeinden an Rhein, Main und Donau nahezu vernichtet hatten, flüchteten die Juden gen Osten, nach Polen und Russland, und nahmen ihre Sprache und ihre Lieder mit und bereicherten sie um Begriffe aus den Ländern, in denen sie fortan lebten.

Heute erlebt das Jiddische, in Israel lange als Sprache des Ghettos und der Unterdrückung verpönt, eine bescheidene Renaissance. Auch in Deutschland. Juden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion haben seit Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Deutschland Aufnahme gefunden. Auch sie bringen ihre Lieder mit.

So bildet dieses Festival "Jüdische Feste und Weisen" das Leben der Juden in vielfältiger Weise ab. Lieder voller Lebensfreude, aber auch voller Trauer und Schmerz. Ich wünsche dem Festival Erfolg und seinen Besuchern, dass diese Musik unmittelbar Zugang zu ihrer Seele findet.

Dr. Josef Schuster

 

Jüdische Feste und Weisen - Das Festivalprogramm

David/ Harel

SEPHARDISCHE LYRIK DES MITTELALTERS | DONNERSTAG 23.JUNI, 19:30 Uhr
"YEDÍD NEFESH“ – GELIEBTER MEINER SEELE

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SEPHARDISCHE LYRIK DES MITTELALTERS

Das Repertoire der sephardischen Romanzen und Liedern gehört sicherlich zu den reichsten, ältesten und komplexesten im jüdischen Kulturerbe. Es grenzt an ein Wunder, dass diese Tradition trotz der Vertreibung im Jahr 1492 aus Spanien bis in unsere Zeit überleben konnte. Im Osmanischen Reich besonders in den Gebieten von Nordafrika und dem Balkan konnte sich diese Tradition des spanischen-sephardischen Judentums entwickeln. Gesungen in Hebräisch, Aramäisch, Arabisch und Ladino, vermischen sich in den Gesängen Liebeslied und Gebet zu einer leidenschaftlichen Botschaft. Das Ensemble Harel-Ben David, gegründet in Paris von drei israelischen Musikern, unter ihnen Nima Ben David - ausgewiesene Spezialistin für jüdische Musik des Altertums, übermittelt uns diese Botschaft auf eindringliche und durchaus authentische Weise.

Am Freitag, 24. Juni, findet um 17 Uhr in Zusammenarbeit mit „Synagoge Memmelsdorf e.V“ in der Synagoge ein persönliches Gespräch mit den israelischen Künstlern statt. Sie geben Erklärungen zur sephardischen Musik, zu den Inhalten der Liedtexte, zu den Sprachen Ladino, Arabisch und Hebräisch, zu den historischen Instrumenten und zur deren Spielweise. In diesem Zusammenhang wird auch das Sprachgenie Friedrich Rückert beleuchtet, der fließend arabisch und hebräisch sprach. Der große Poet wurde in Schweinfurt geboren und ist der Begründer der deutschen Orientalistik. Seine Beziehung zum Judentum drückt sich unter anderem in einem gewissen Brief Rückerts über seinen Besuch der jüdischen Gemeinde im Dorf Wonfurt aus. Dort wurde gerade das Laubhüttenfest gefeiert und Friedrich Rückert als geehrter Gast wegen seiner Hebräisch Kenntnisse bewundert.

Schüttbau Rügheim | Kartenvorverkauf 28€, Abendkasse: 30€, Schüler/Studenten: 18€
In Zusammenarbeit mit „Kultur e.V. Rügheim“

Werkstatt in der Synagoge Memmelsdorf am Fr.24. Juni um 17.00 Uhr

Eine Reise ins goldene Zeitalter des mittelalterlichen Spanien mit dem Ensemble Harel-Ben David

Meirav Ben David-Harel - Gesang, Schlagzeug, Chifonie
Yair Harel - Gesang, Schlagzeug, Tar
Nima Ben David - Viola da Gamba
Evgenios Voulgaris - Oud, Lira, Tar

 

Roth, Gallardo, Sakkakushev

KLAVIERTRIO-ABEND | FREITAG 1. JULI, 20 Uhr
VON DER VIELFALT JÜDISCHEN LEBENS

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VON DER VIELFALT JÜDISCHEN LEBENS

Das zweite Kammermusikkonzert des VII. Internationalen Kammermusikfestivals Schloss Wonfurt beschäftigt sich mit drei bezeichnende und selten gespielten Meisterwerken aus dem Klaviertrio-Repertoire des frühen 20. Jahrhunderts: Alexander von Zemlinsky, Ernest Bloch und Moses Weinberg. Diese drei Persönlichkeiten jüdischer Abstammung stehen für unterschiedliche Musikstile. Bloch ist ein Vertreter des musikalischen Expressionismus mit einer eigenen Musiksprache. Er lebte in der Schweiz, Frankreich und schließlich in den USA. Alexander von Zemlinsky war ein Wiener Komponist. Sein Klaviertrio Op. 3 knüpft an die Spätromantik und erinnert eindeutig an Johannes Brahms. Moses (Mieczyslaw) Weinberg ist wiederum in Polen geborener und verbrachte sein Leben lang in der Sowjetunion. Er setzte sich intensiv mit der Problematik und Ästhetik jener Epoche auseinander. Seine enge Freundschaft mit Schostakowitsch macht sich im Trio Op. 24 bemerkbar.

Schloss Wonfurt | Kartenvorverkauf 28€, Abendkasse: 30€, Schüler/Studenten: 18€

 

Ernest Bloch (1880–1959): Drei Nachstücke (1924)
.Andante – Andante quieto – Tempestoso
Alexander von Zemlinsky (1871-1942): Trio für Klarinette*, Cello und Klavier in d-moll Op. 3
.Allegro ma non troppo – Andante – Allegro
Moisey Vainberg [Mieczyslaw Wajnberg] (1919-1996): Trio für Violine, Cello und Klavier Op. 24 (1896)
.Präludium und Arie: Larghetto - Toccata: Allegro marcato - Poem: Moderato - Finale: Allegro moderato

José Gallardo - Klavier
Linus Roth - Violine
Eliah Sakakushev - Cello

 

Moritz Stoepel

LILITHS VERMÄCHTNIS  | SAMSTAG 2. Juli, 16 Uhr
LITERATUR-CAFÉ MIT MORITZ STOEPEL

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LILITHS VERMÄCHTNIS

Der bekannte Schauspieler und Künstler Moritz Stoepel ist auch dieses Jahr zu Gast beim Musikfest Schloss Wonfurt. Zum diesjährigen Thema passend "Jüdische Feste und Weisen" präsentiert er sein neues Programm "Liliths Vermächtnis". An der jüdischen Sage über die erste Frau Adams, der Nachtschöpfung Lilith angelehnt, bringt er eine exquisite Sammlung von Texten aus Prosa und Dichtung ausgewählter Autorinnen wie Else Lasker-Schüler und Mascha Kaléko nach Wonfurt in einem zauberhaft inszenierten Monospektakel. Im Ambiente eines Literaturcafés lädt das Schloss Wonfurt zu einem gemütlichen Sommernachmittag.

Schloss Wonfurt | Kartenvorverkauf 22€, Abendkasse: 25€, Schüler/Studenten: 18€

 

Der beliebte Schauspieler und Künstler Moritz Stoepel ist auch dieses Jahr zu Gast beim Musikfest Schloss Wonfurt. Zum diesjährigen Thema passend "Jüdische Feste und Weisen" präsentiert er sein neues Programm "Liliths Vermächtnis". An der jüdischen Sage über die erste Frau Adams, der Nachtschöpfung Lilith angelehnt, bringt er eine exquisite Sammlung von Texten aus Prosa und Dichtung ausgewählter Autorinnen wie Else Lasker-Schüler und Mascha Kaléko nach Wonfurt in einem zauberhaft inszeniertem Monospektakel. Im Ambiente eines Literaturcafés lädt das Schloss Wonfurt zu einem gemütlichen und einmaligen Sommernachmittag.

 

Tehila nini Goldstein

SEPHARAD MEETS ASHKENAZ  | SAMSTAG 2. Juli, 20:30 Uhr
LIEDERABEND DER ENTDECKUNGEN

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SEPHARAD MEETS ASHKENAZ

Das Programm verbindet Lieder von jüdischen und nichtjüdischen Komponisten, die durch das Judentum und durch traditionelle jüdische Musik inspiriert sind. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde jüdische Musik in der europäischen Kultur kaum wahrgenommen, bzw. abschätzig behandelt. Das erste Kapitel einer musikalischen Judaica schufen russische Komponisten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in Osteuropa eine eigene jüdische nationale Schule in der Musik, die später auch das Schaffen vieler Komponisten in Westeuropa und in Israel beeinflusste.

Schloss Wonfurt | Kartenvorverkauf 28€, Abendkasse: 30€, Schüler/Studenten: 18€
Mit freundlicher Unterstützung der Raiffeisen-Volksbank Haßberge e.G.

 

Die junge israelische Sopranistin Tehilá Nini Goldstein und der Pianist Jascha Nemtsov präsentieren ausgewählte Lieder des fränkischen Komponisten Jakob Schönberg im Rahmen eines bunten Themenabends.

Lieder auf Russisch, Jiddisch, Ladino und Hebräisch von:

Russische Lieder von Milij Balakirev, Michail Glinka, Modest Mussorgsky, Nikolai Rimski-Korsakov
Maurice Ravel (1875-1937): Chanson Hebraique - Kaddish - L'Enigme eternelle
Jakob Schönberg (Fürth 1900 - USA 1956): Drei Liebesgesänge nach Jehuda Halevy, Zwei Chinesische Lieder, Hebräische Lieder
Ladino Lieder von Alberto Hemsi
Yiddische Lieder von Joseph Achron (1886–1943) und Moshe Milner (1886-1953)

Tehila Nini Goldstein - Sopran
Jascha Nemtzov - Klavier

 

Adler

JÜDISCHE FESTE UND WEISEN | SONNTAG 3. Juli, 12 Uhr
MATINÉE-KONZERT & LUNCH IM SCHLOSS

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JÜDISCHE FESTE UND WEISEN

Text folgt ...

Schloss Wonfurt | Kartenvorverkauf (Konzert und Lunch) 41€, nur Konzert 25€, Schüler/Studenten
(nur Konzert): 18€

 

Eine musikalische Illustration jüdischer Folklore und synagogaler Liturgie aus dem europäischen und orientalischen Raum. Ein Feature mit der Bratschistin Julia Rebekka Adler 

Erwin Schulhoff (Prag 1894 - 1942 Weißenburg in Bayern) - „Zingaresca“ für Violine und Cello (1925)
Zikmund Schul (Chemnitz 1916 - 1944 Theresienstadt) – Zwei Chassidische Tänze Op. 15 (1942) für Violine und Cello
Hans Krása (Prag 1899 - 1944 Auschwitz) - „Tanz“ und „Passacaglia und Fuge“ (1944) für Streichtrio
Ernest Bloch (Genf 1880 - 1959 Portland) - Suite für Viola allein (1958)
León Zuckert (Ukraine 1904 - 1992 Kanada) - „Doina“ rumänische Fantasie (1970) Bearbeitung für Viola und Cello
Max Stern (geb. 1947) - „Bedouin impressions“ (1978) für Viola allein
David Loeb (geb. 1939): Drei sephardische Melodien (2008) für Viola d’Amore

Julia Rebekka Adler - Viola
Caroline v. Bismarck - Violine
Eliah Sakakushev - Cello

 

Giora Feidmann

GIORA FEIDMAN TRIO | SONNTAG 3. Juli, 20 Uhr
"THE SPIRIT OF KLEZMER" - LIEDER VON FREUND UND LEID

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THE SPIRIT OF KLEZMER“ – LIEDER VON FREUDE UND LEID

Kaum einer hat die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Klezmer so wörtlich genommen und tatsächlich instrumentales Singen gepflegt wie Giora Feidman. Und auch seinen lebenslangen Traum von der Umsetzung einer Musik jenseits aller stilistischen Schranken und aller Länder- und Völkergrenzen hat Feidman längst Wirklichkeit werden lassen. Im Verlauf von mittlerweile über 50 aktiven Jahren wurden seine Konzerte über das rein musikalische Erlebnis hinaus zum Medium eines neuen, aufregenden Dialogs. Mit überschäumender Lebensfreude steht er auf der Bühne und lässt die Freunde des unverwechselbaren Feidman-Sounds auf der Klarinette voll auf ihre Kosten kommen. Das Repertoire des Trios ist vielschichtig. Im Mittelpunkt stehen traditionelle, von Giora Feidman arrangierte Klezmer-Weisen. Klassik, Jazz und folkloristische Stücke ergänzen das Programm ebenso wie Werke aus der Feder seiner Musikerkollegen. Ein Konzert unterschiedlichster Tempi und Stimmungen So ist Feidman. Er lässt sich von keinem Vorurteil ausbremsen, sondern geht jeder Musik ebenso unbefangen wie entschlossen auf den Grund. Und wenn dabei Überraschungen gelingen, dann ist Feidman erst richtig in seinem Element und kann sich geradezu spitzbübisch freuen. Und nicht nur Feidman glänzt als Meister seines Fachs. Natascha Böttcher auf dem Akkordeon und Guido Jäger am Kontrabass bestechen als gefühlvolle Begleiter wie auch als großartige Solisten. Auch in seinem 75. Lebensjahr spielt Giora Feidman mit einem Feuer, als stünde er noch ganz am Anfang seiner musikalischen Welteroberung. Beweisen muss er zwar schon lange nichts mehr, aber er tut’s dennoch jedes Mal aufs Neue: Giora Feidman ist und bleibt eine Klasse für sich.

Stadthalle Haßfurt | Kartenvorverkauf 30€, Schüler/Studenten 20€
In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Haßfurt

 

Das Trio mit Klarinette, Akkordeon und Bass ist Feidmans „klassische“ Besetzung. In dieser Formation gab er, von den USA ausgehend, der Renaissance der Klezmer-Musik entschiedene Impulse. Klezmer-Lieder sind weit mehr als Musikstücke. Nicht nur die Melodien, sondern vor allem die emotionsbetonte Art und Weise der Interpretationen machen dieses Genre aus.

Giora Feidman - Klarinette, Bassklarinette
Guido Jäger - Kontrabass
Natalie Böttcher - Akkordeon

 

 

 

 

 

 

 

 
   
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